2. Kapitel: Zwischen den Kriegen

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1920 und 1945
Österreich zwischen

Wohnen ist so teuer, dass manch einer tagsüber sein Bett vermietet. Oft wird dort auch Heimarbeit geleistet. Zur Wohnungsnot kommt die Arbeitslosigkeit.

Wasser gibt es nur am Gang, die Toiletten teilen sich alle Bewohner eines Stockwerks. Es ist feucht, stickig, und es stinkt. Viele Menschen leben auf engstem Raum.

Die Stadtregierung führt die Wohnbausteuer ein und baut mehr als 60.000 Gemeindewohnungen mit Bäder, Waschküchen, Gesundheitseinrichtungen.

Die Freizeit wird bunter: Es gibt den Arbeitersportklub, die Kinderfreunde, Horte, Theater und Konzerte.

In den Gemeindebauten werden Zentren für die Gesundheitsfürsorge eingerichtet. Um Schulkinder kümmern sich Schulärzte und Schulzahnärzte.


Die politische Lage in der ersten Republik ist konfliktreich. Bundeskanzler Dollfuß schaltet das Parlament aus. Der Februaraufstand scheitert. Ab 1934 gibt es eine ständische Verfassung. Die Demokratie ist abgeschafft.

 

Aus der AK

Die Arbeiterkammern sollen den „Gewerkschaften ein Apparat sein, die Wirtschaft zu durchleuchten, sozialpolitisch das Gestrüpp gesetzlicher Einrichtungen zu durchdringen und arbeitsrechtlich alles verteidigen zu helfen.“

Die Arbeitslosenversicherung ist eine der großen Erfolge aus der sozialpolitischen Offensive zu Beginn der Republik. Lehrlinge erhalten eine „Entschädigung“.

Arbeiterbildung ist wichtig, AK Kurse sind gut besucht. In den Gemeindebauten gibt es die beliebten Arbeiterbüchereien.

Die Arbeiterkammern werden aufgelöst. Dem NS-Terror fallen viele Gewerkschafter zum Opfer.

Käthe Leichter. Leiterin der ersten AK-Frauenabteilung, Untergrundkämpferin, Oppositionelle, Jüdin, ermordet 1942 in Bernburg

Johann Staud. Vorsitzender der christlichen Textilarbeitergewerkschaft, ab 1938 KZ-Haft in Dachau, 1939 Tod als Folge der brutalen KZ-Haft

 

Max, Anna & Julie

Max geboren 1912, Elektromechaniker

Fünf Klassen Volksschule, drei Klassen Bürgerschule, dann eine Lehre. Als Gewerkschaftsmitglied kommt Max gesellschaftlichen und politischen Themen näher.

Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Wer Glück hat findet eine kurzfristige Arbeit. Viele sind arbeitslos, oft auch ausgesteuert, also ohne Unterstützung.

Auch Max ist einmal kurz arbeitslos. Er hat aber Glück und findet schon 6 Wochen später eine neue Stellung.

Anna, geboren 1914, Hilfsarbeiterin

Anna will Stenotypistin werden, wie ihre beste Freundin. Die Arbeit stellt sie sich interessant vor. Nur leider findet sie keine Stelle und muss als Arbeiterin in einer Textilfabrik arbeiten.

Diese Arbeit ist anstrengend. Aber es gibt Urlaub! Eine ganze Woche darf sie zu Hause bleiben und bekommt trotzdem ihren Lohn bezahlt!

Zu Beginn leben die Anna und Max in einer Einzimmerwohnung, später bekommen sie eine Wohnung im Gemeindebau. Die Familie kommt gerade so über die Runden. Dann muss Max an die Front.

Julie, geboren 1938

Julie kann sich nicht an ihren Vater erinnern. Er ist im Krieg, sie mit ihrer Mutter in Wien. Oft gehen sie Beeren pflücken. Dann klopfen sie bei Bauern an um zu tauschen.

Schlimm ist für die Kinder, dass sie mit manchen alten Freunden nicht mehr spielen dürfen. Eines Tages sind sie ganz weg. Julie hat Angst. Sie versteckt sich, ist traumatisiert.

 

Für Sie erreicht

1920
26.2.1920 Beschluss des AK Gesetzes

1921
Arbeitslosenversicherung

1923
Notstandsunterstützung

1924
Der „Jugendbeirat“ der Wiener AK wird gegründet

1925
Käthe Leichter übernimmt die Leitung des Referats für Frauenarbeit in der AK Wien

1930
Erstes Sozialversicherungsvolksbegehren. Es bleibt erfolglos

1931
Studie "Die Arbeitslosen von Marienthal"

1933
Alle demokratischen Einrichtungen werden mit Hilfe von „Notverordnungen“ ausgeschaltet, auch die AK. Die Arbeitslosigkeit erreicht ihren Höchststand, es gibt rund 600.000 Arbeitslose, von denen aber nur 65% Arbeitslosenunterstützung erhalten.

1942
Ermordung von Käthe Leichter

 

48
STUNDEN (ARBEITSZEIT PRO WOCHE, 6-TAGE-WOCHE)
1
WOCHE (48 STUNDEN)
59
SCHILLING (LOHN PRO WOCHE, 1926)
22
GROSCHEN (PREIS PRO KG KARTOFFELN, 1945)
25
GROSCHEN (PREIS PRO STRASSENBAHN-FAHRSCHEIN, 1945)

FERDINAND HANUSCH

„Mir wurde (...) gesagt, dass es Arbeiter gibt, besonders in der Eisenindustrie, die die ganzen zwölf Stunden nicht Zeit haben, einen Bissen Brot zu sich zu nehmen, wo die Frau neben dem Mann auf dem Arbeitsplatz steht und den Mann füttert wie ein kleines Kind! Da hat man den Mut, den Achtstundentag abzulehnen, zu sagen, der Arbeiter könne es auch zwölf Stunden aushalten.“

aus: Grundsatzreferat „Parlament und Arbeitsschutz“, 1913.
Ferdinand Hanusch, Textilgewerkschafter, Staatssektretär für soziale Fürsorge und sozial Verwaltung von 1918-1920, Erster Sekretär (Direktor) der AK Wien

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