3. Kapitel: Unmittelbarer Wiederaufbau

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1945 und 1955
Österreich zwischen

Große Not in Österreich. Es fehlt an allem. Lebensmittel sind rationiert. Vor allem Frauen stehen stundenlang vor Ausgabestellen an.

Im April 1945 wird die Republik Österreich ausgerufen. Parlament und Regierung können nicht frei entscheiden. Aber die Währungsreform gelingt.

Die Menschen beginnen aufzuräumen. Der Nationalrat beschließt unter anderem die Verstaatlichung von Energiewirtschaft, Erdölproduktion und Eisenhüttenindustrie.

Fünf Lohn- und Preisabkommen der Sozialpartner erreichen eine geordnete Preisgestaltung. Erst ab 1948 verbessert sich die Versorgung.

Die Kinderfreunde organisieren Ausspeisungen und fahren auf Ferienlager. Unterernährte Kinder werden von Wohlfahrtsorganisationen für einige Monate ins europäische Ausland geschickt.

ASVG - die Sozialversicherung unterstützt unser Leben lang: von der Geburt über Krankheit, Karenz, Unfall oder Pflegebedürftigkeit bis hin zur Pension.

 

Aus der AK

Die Arbeiterkammern werden wieder gegründet, und die Sozialpartner als speziell österreichisches Konfliktregelungsinstrument eingerichtet.

Da es in der Nachkriegszeit einen akuten Mangel an Wohngelegenheiten für Lehrlinge gibt, wird von der Arbeiterkammer im 4. Bezirk das Franz Domes-Jugendwohnheim errichtet.

Schrittweise schaffen es die Sozialpartner, die Einkommen an die steigenden Lebenshaltungskosten anzugleichen.

Die Sozialakademie zählt von Anfang an ArbeitnehmervertreterInnen aus ganz Österreich zu ihren HörerInnen.

Kollektivvertragsgesetz und Betriebsrätegesetz verbessern die Interessenvertretung der Beschäftigten. Bis 1950 hat der ÖGB fast 1,3 Millionen Mitglieder.

Die AK Wien, später der ÖGB, betreibt eine Jugendfürsorgestelle. An 1. Stelle steht die Ernährung. Hier können sich Jugendliche satt essen.

 

Max, Anna & Julie

Max, geboren 1920, Eisengießer

Nach dem Krieg räumt Max Schutt weg und findet nur allmählich wieder in ein geregeltes Leben zurück. Mit seiner Frau Anna tut er sich schwer, sein Kind erkannte er kaum wieder.

Als Eisengießer hat Max wieder Arbeit gefunden. Überall liegt tonnenweise Schutt. In die Arbeit geht er zu Fuß. Straßenbahnen fahren nur streckenweise und über die Donau gibt es nur provisorisch reparierte Brücken.

Anna, geboren 1921, Telefonistin

1946 verdient Anna 160 Schilling im Monat. Dafür bekommt sie 2 kg Fleisch. Sie arbeitet während des Krieges als Telefonistin bei der Post, verliert als verheiratete Frau aber nach Ende des Krieges ihre Arbeit.

Anna wird umgeschult und findet als Näherin wieder Arbeit. Viele ihrer Freundinnen leben vom 1949 eingeführten Arbeitslosengeld. Sie tritt in die Gewerkschaft ein.

Julie, geboren 1940, ein „Spanienkind“

1948 ist Julie 8 Jahre alt, wiegt 20 Kilo, ist krank und unterernährt. Ein Jahr lebt sie in Spanien bei einer Pflegefamilie. Lachend, gesund und 12 Kilo schwerer kommt sie zu ihren Eltern nach Wien zurück.

Aus der Schweiz kommen Lebensmittel und Medikamente. Über die Wohlfahrtsämter werden CARE Pakete an besonders bedürftige Familien verteilt, und für viele Kinder gibt es die Schwedenausspeisung.

Ab Anfang der 50er Jahre haben die Wienerinnen und Wiener das Schlimmste überstanden. Max und Anna können es sich leisten, auch manchmal ins Kino zu gehen.

 

Für Sie erreicht

1945
Die Feiertage werden festgelegt. Rechtsüberleitungsgesetz des österreichischen Sozialrechts, Wiedergründung von AK & ÖGB.

1946
Arbeiterurlaubsgesetz: Anspruch auf 12 Tage nach 1 Dienstjahr, auf 18 Tage nach 5 Dienstjahren, auf 24 Tage nach 15 Dienstjahren

1947
Sozialversicherungs- Kollektivvertrags-, Betriebsräte- und Arbeitsinspektionsgesetz

1948
Pension für Frauen, Witwenrente

1949
Kinderbeihilfengesetz, Arbeitslosenversicherungsgesetz

1950
Abschaffung der Todesstrafe in Österreich

1951
Mindestlohntarife, Wohnungsbeihilfe zum Mietzins

1952
Gründung des Verbandes für Sozialtourismus

1953
Jugendeinstellungsgesetz zur Bekämpfung der hohen Jugendarbeitslosigkeit, Gründung des "Volkstheaters in den Außenbezirken"

1955
Der Nationalrat beschließt das ASVG

48
STUNDEN (ARBEITSZEIT PRO WOCHE)
2
WOCHEN (BEZAHLTER URLAUB)
112
SCHILLING (LOHN PRO WOCHE)
1
SCHILLING (1,3 S PRO KG KARTOFFELN, 1955)
1
SCHILLING (1,3 S KOSTET 1 STRASSENBAHN-FAHRSCHEIN 1955)

KARL MAISEL

„Wäre es gelungen, die Beschäftigung aufrecht zu erhalten, den Menschen eine auskömmliche Lebenshaltung und ihre sozialen Rechte zu sichern, so wäre es weder zum Faschismus noch zum Krieg gekommen.“

Vortrag „Sozialpolitik als Staatsaufgabe“ gehalten im Niederösterreichischen Gewerbeverein, Arbeit und Wirtschaft, 1.4.1949, S.2
Karl Maisel, Metallarbeiter, Präsident der AK Wien und des Österreichischen Arbeiterkammertages 1946-1964, Bundesminister für soziale Verwaltung 194

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