5. Kapitel: Österreich zwischen 1970 und 1989

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1970 und 1989
Österreich zwischen

Ab 1975 sind Mann und Frau gleichberechtigte Partner in der Familie. Der Mann kann seiner Ehefrau nicht mehr verbieten, berufstätig zu sein.

Mit dem Gleichbehandlungsgesetz wird jede Diskriminierung bei der Festsetzung von Lohn und Gehalt untersagt.

1977 wird eine europäische Freihandelszone wird zwischen EWG und EFTA-Staaten Wirklichkeit.

Wien setzt auf den öffentlichen Verkehr und kurbelt über öffentliche Aufträge in der Infrastruktur die Wirtschaft an. Die Vollbeschäftigung hält an.

Gastarbeiter werden gesucht und gefunden, Höchstzahlen festgelegt und die Ausländerbeschäftigung an behördliche Bewilligungen gebunden.

Österreich steigt aus der Atomenergie aus, noch ehe es begonnen hat. Die Zwentendorf- Volksabstimmung bringt ein knappes „Nein“ gegen die Inbetriebnahme

Freie Bildung für alle.  Studiengebühren und Aufnahmeprüfungen an den AHS fallen, Schülerfreifahrt und Schulbuchaktion kommen. Auch Lehrlinge zahlen für die Lehrabschlussprüfung nichts mehr.

 

Aus der AK

1969 unterschreiben 890.000 Menschen das ÖGB Volksbegehren zur 40-Stunden-Woche. Sie wird schrittweise eingeführt und ist ab 1975 Normalarbeitszeit. Es herrscht Vollbeschäftigung.

1977 bekommen alle ArbeitnehmerInnen 4 Wochen bezahlten Urlaub. Ab 1986 werden es jene 5 Wochen sein, die auch heute noch gelten.

Betriebliche Mitbestimmung: Jugendliche können eine Interessenvertretung in ihren Reihen wählen. AK und ÖGB erreichen auch mehr Mitbestimmung für Betriebsräte.

AK Theater in den Außenbezirken: Wenn die Leute nicht ins Theater kommen können, dann kommt das Theater zu den Leuten.

 

Max, Anna & Julie

Max, geboren 1945, Schweißer

Max ist Schweißer in einer großen Fabrik. Er arbeitet im Schichtbetrieb Als gut ausgebildeter Facharbeiter könnte Max jederzeit in einem anderen Betrieb arbeiten. Das will er aber nicht, denn das Arbeitsklima ist gut.

Ab den 1980er Jahren erleichtert Männern wie Max das Schwerarbeitsgesetz seine Arbeit in der Fabrik: mehr Pausen, vorbeugender Arbeitnehmerschutz, Sonderruhegeld.

Die Entgeltfortzahlung gilt. Arbeiter haben dieselben Rechte wie Angestellte. Nach seinem Unfall bekommt Max 4 Wochen lang seinen Lohn weiter bezahlt.

In der Werkmeisterschule der TGA macht Max den Meisterkurs, irgendwann wird er Schichtleiter sein. Er versteht sich mit seinen Kollegen gut, auch mit den ausländischen.

Anna, geboren 1947, Angestellte

Es ist für Anna selbstverständlich, dass alle ihre Kinder dieselben Bildungschancen haben sollen. Sohn wie Töchter. Sie will das Beste für sie!

Die Fenster offen, die Gurte unbenutzt , quengelnde Kinder, Stau. So beginnen die Sommerferien. Ziel der Familie ist der Strand von Bibione.

Julie, geboren 1972

Julie besucht nach der Schule den Hort. Die Eltern sind arbeiten. Aber wenn Julie krank ist, darf Mama ein paar Tage zu Hause bleiben – dank der Pflegefreistellung.

 

Für Sie erreicht

1970
43-Stundenwoche

1971
Schülerbeihilfengesetz

1972
Arbeitnehmerschutzgesetz, Einführung von Jugendvertrauensräten

1973
Das Arbeitsverfassungsgesetzt wird 1973 beschlossen

1974
Lohnfortzahlung bei Krankheit oder Unfall

1975
Mit der Familienrechtsreform kommt die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau in der Ehe, die verheiratete Frau darf nun ohne Zustimmung des Mannes arbeiten gehen. Die 40-Stunden-Woche tritt in Kraft

1976
Pflegefreistellungsgesetz

1977
Der Mindestanspruch auf bezahlten Urlaub erhöht sich auf 4 Wochen, nach 20 Jahren auf 5 Wochen. Insolvenzschutz

1978
Reform der Berufsausbildung

1979
Gleichstellung der ArbeiterInnen mit den Angestellten bei der Abfertigung; Konsumentenschutzgesetz, Gleichbehandlungsgesetz

1980
Die Mitbestimmung der ArbeitnehmervertreterInnen im Aufsichtsrat wird neu geregelt

1981
Verbesserungen im Nachtschicht-Schwerarbeitergesetz

1983
Etappenweise Verlängerung des Mindesturlaubs von 4 auf 5 Wochen

1985
Erste Kollektivverträge mit kürzerer Arbeitszeit als 40 Stunden (Metaller, GPA  38,5h)

1986
5 Wochen Mindesturlaub für alle

43
STUNDEN (ARBEITSZEIT PRO WOCHE, UM 1970)
4
WOCHEN (BEZAHLTER URLAUB, UM 1976)
2502
SCHILLING (LOHN PRO WOCHE, UM 1976)
6
SCHILLING (PREIS PRO KG KARTOFFELN, 1980)
12
SCHILLING (PREIS PRO STRASSENBAHN-FAHRSCHEIN 1980)

ELEONORA HOSTASCH

„Ohne die gesetzliche Mitgliedschaft aller gibt es keine Kammern. Ohne Kammern gibt es keine Sozialpartnerschaft. Darauf ist das politische System der 2. Republik aufgebaut – und zu dieser Demokratie stehe ich. (…) Unsere Aufgabe ist die Vertretung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Wir sind ihre Stimme, und wir wollen, daß diese Stimme laut ist.“

aus: AK für Sie, 8/1994

Lore Hostasch, Vizepräsidentin des ÖGB 1983-1991, Vorsitzende der GPA 1989-1994, Präsidentin der AK Wien und Bundesarbeitskammer 1994-1997, Sozialministerin von 1997-2000

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